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Bogentypen, Grundlagen

Compoundbogen Guide: Funktionsweise, Vorteile und Kaufberatung für Einsteiger

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Du hältst das erste Mal einen Compoundbogen in der Hand und ziehst ihn aus. Du merkst, wie das Zuggewicht zunimmt und du immer mehr Kraft aufbringen musst. Doch kurz vor dem Vollauszug stellst du fest, wie die auffälligen Rollen oben und unten am Bogen umklappen und das Zuggewicht wie von Zauberhand abrupt nachlässt. Du stößt gefühlt an eine Wand, wo es nicht mehr weitergeht. Und „Wand“ ist auch der Fachbegriff, der genau diesen gewünschten und definierten „Stopp“ beschreibt.

Die ausgezogene Sehne des Bogens könntest du nun problemlos mit einem Finger halten, obwohl der Bogen stolze 50 lbs aufweist. Nicht selten sind hier erstaunte, ungläubige Blicke von Kunden bei uns vor Ort vorprogrammiert. Hierbei handelt es sich um das Let-Off Prinzip, das den Compoundbogen so einzigartig macht und ihn von allen anderen Bogenarten unterscheidet.

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Mit Pfeilgeschwindigkeiten von oft über 330 km/h (bei Top-Modellen sogar über 380 km/h) und einer Präzision, die traditionelle Bögen nicht erreichen, hat dieser technische Bogen den Bogensport nachhaltig verändert.

In diesem Ratgeber erfährst du, was ein Compoundbogen ist, wie die Cam-Mechanik funktioniert und ob dieser Bogentyp der richtige für dich ist. Nach dem Lesen des Artikels weißt du genau, worauf du beim Kauf achten musst und welches Budget du einplanen solltest.

Was ist ein Compoundbogen? Die Grundlagen

Der Compoundbogen ist die technisch fortschrittlichste Bogenart und wurde 1966 von Holless Wilbur Allen in Missouri entwickelt.

Das revolutionäre Prinzip: Statt einfacher Wurfarme nutzt der Bogen ein Cam-System mit Rollen, Kabeln und Sehnen, die zusammen eine Hebelwirkung erzeugen. Diese Mechanik ermöglicht den sogenannten Let-Off-Effekt. Das Let-Off beschreibt die prozentuale Reduzierung des Zuggewichts im Vollauszug.

Bei typischen Werten von 65 bis 85 Prozent bedeutet das: Ein Bogen mit 60 Pfund Zuggewicht erfordert im vollen Auszug nur noch 9 bis 21 Pfund Aufwand zum Halten. Der Schütze kann dadurch deutlich länger und ruhiger zielen, ohne zu ermüden. Dieses Prinzip unterscheidet den Compound fundamental von Recurve- und Langbögen, bei denen du im Vollauszug das komplette Zuggewicht halten musst.

Aufbau und Hauptkomponenten

Kabelgleiter an einem Compoundbogen. Schützt die Kabel davor, direkt in Kontakt zu kommen.
Kabelgleiter an einem Compoundbogen. Schützt die Kabel davor, direkt in Kontakt zu kommen.

Ein Compoundbogen besteht aus mehreren technischen Komponenten, die perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen:

  • Mittelstück (Riser): Das Griffstück aus Aluminium oder Carbon bildet das Herzstück. Ausgefräste Cut-Outs reduzieren das Gewicht erheblich.
  • Wurfarme: Ober- und unterhalb des Griffs befestigt, speichern sie die Energie bis zur Pfeilfreigabe.
  • Cam-System: Die exzentrisch aufgehängten Rollen an den Wurfarmenden erzeugen den Let-Off-Effekt.
  • Sehne: Läuft in einer Führung über die Cams, rollt sich beim Ausziehen ab.
  • Kabel: Meist zwei Kabel verbinden Wurfarme und Cams, erzeugen die Hebelwirkung.
  • Kabelgleiter: Führt die sich kreuzenden Kabel aneinander vorbei, minimiert Verschleiß.

Technische Begriffe auf einen Blick:

Achsabstand (Axle-to-Axle/ATA): Abstand zwischen den beiden Cam-Achsen, bestimmt die Bogenlänge (28 bis 42 Zoll).

Standhöhe (Brace Height): Abstand zwischen Sehne und tiefstem Punkt des Griffs (6 bis 8 Zoll).

Let-Off: Prozentuale Kraftreduzierung im Vollauszug (typisch 65 bis 85%).

IBO-Speed: Standardisierte Geschwindigkeitsmessung in Fuß pro Sekunde (fps).

Wie funktioniert ein Compoundbogen? Die Mechanik erklärt

Das untere Cam eines Compoundbogens in Nahaufnahme
Das untere Cam eines Compoundbogens

Die Funktionsweise eines Compoundbogens basiert auf dem Wellrad-Prinzip, nicht auf dem oft fälschlicherweise genannten Flaschenzug-Prinzip. Die Cams sind exzentrisch aufgehängte Kurvenscheiben mit variierenden Durchmessern. Im ungespannten Zustand liegt die Sehne auf dem größeren Durchmesser. Beim Spannen rollt sie ab, während das Kabel des gegenüberliegenden Wurfarms auf dem kleineren Durchmesser aufgerollt wird.

Die Kraftkurve verläuft völlig anders als bei traditionellen Bögen. Zunächst steigt die Zugkraft bis zum Peak Weight, dem Spitzenzuggewicht. Dann fällt sie schlagartig ab und erreicht im Valley, dem Tal, den tiefsten Punkt. Hier befindet sich der Vollauszug. Dieser wird durch einen mechanischen Anschlag begrenzt, die sogenannte Wall. Die Formgebung der Cams bestimmt das Verhalten. Runde Cams sind gutmütiger und verzeihen Fehler besser, elliptische Cams sind aggressiver und leistungsstärker.

Das Herzstück: Welches Cam-System passt zu dir?

Wenn du dir die Rollen (Cams) an den Enden der Wurfarme genau ansiehst, wirst du früher oder später Unterschiede feststellen. Denn nicht jeder Bogen setzt auf die gleiche Technik. Je nach Form und Kombination der einzelnen Cams werden verschiedene Vor- und Nachteile in den Vordergrund geholt. Die eierlegende Wollmilchsau wirst du leider auch hier nie bekommen.

Single Cam (Solo Cam) System

Hier findest du nur am unteren Wurfarm eine ellipsenförmige Cam. Am oberen Wurfarm kommt nur eine einfache, komplett runde Umlenkrolle zum Einsatz.

  • Meine Empfehlung für Einsteiger: Dieses System ist extrem wartungsarm, da es nur eine aktive Cam gibt. Dies verhindert Asynchronität, da sich dieses System automatisch ausgleicht.
  • Merkmale: Der Auszug ist weich und angenehm, der Wartungsaufwand gering. Diese Vorteile gehen aber auf Kosten der Leistung, die bei anderen Systemen höher ist.

Hybrid Cam System

  • Der Allrounder: Dieses System nutzt zwei unterschiedliche (asymmetrische) Cams. Genauer gesagt ein Control-Cam und einem Power-Cam. Im Zusammenspiel mit einem Y-Kabel, einem Kontrollkabel und der Sehne werden die typischen Merkmale erzeugt.
  • Merkmale: Das Hybrid System ist schnell, vergleichsweise leise und leistungsfähiger als eine Single-Cam-System. Der Wartungsaufwand ist höher, aber bei Weitem nicht so hoch, wie bei einem Dual Cam System, wo Cam-Lean bei falschem Tuning schnell auftreten kann.

Binary Cam System

Das Binary-Cam-System ist grundsätzlich verwand mit dem Twin-Cam-System. Jedes Binary-Cam-System könnte als Twin-Cam-System bezeichnet werden. Umgekehrt ist aber nicht jedes Twin-Cam-System ein Binary-Cam-System. Es kann als moderne Weiterentwicklung des Twin-Cam-Systems angesehen werden.

  • Das moderne Powerhouse: Das optimierte Twin-Cam-System mit zwei identischen Cams, die direkt über die zwei Kontrollkabel miteinander verbunden sind (Slaving). Diese direkte Verbundenheit erzeugt auch eine direkte Kontrolle. Die eine Cam fordert eine exakt gespiegelte Gegenreaktion von der anderen Cam.
  • Merkmale: Dieses Setup gilt als nahezu selbst korrigierend. Hast du das Timing einmal eingestellt, werden kleine Ungenauigkeiten problemlos ausgeglichen.

Twin Cam System (nur etwas für echte Profis)

  • Der leistungsfähige Klassiker: Auch hier kommen zwei identische, symmetrische Cams zum Einsatz. Weiterhin sind zwei Y-Kabel und ein Sehne vorhanden. Im Gegensatz zu dem Binary-System ist je ein Y-Kabel mit je einem Cam und der Achse der gegenüberliegenden Cam am Wurfarm verbunden. Hier arbeitet jede Cam für sich selbst, ohne direkte Abhängigkeit (kein Slaving).
  • Merkmale: Wie das Binary-Cam-System können maximale Leistungswerte erreicht werden. Das Twin-Cam-System setzt aber eine exakte Einstellung voraus, um ein perfektes Timing und Zusammenspiel der einzelnen Komponenten zu erhalten.
Cam-TypVorteileNachteileFür wen?
Single CamWartungsarm, gutmütigEtwas langsamerEinsteiger
Dual CamMaximale PowerHoher WartungsaufwandProfis
Hybrid CamAusgewogen, selbstsynchronisierendKompromissMeiste Schützen
Binary CamSchnell, einfaches TuningKomplexe KonstruktionFortgeschrittene

Technische Kennzahlen verstehen

Wer einen Compoundbogen kaufen möchte, begegnet einer Reihe technischer Spezifikationen. Das Verständnis dieser Werte ist entscheidend für die richtige Kaufentscheidung.

Achsabstand (Axle-to-Axle): Kurze Bögen mit 28 bis 32 Zoll sind kompakt und wendig, ideal für beengte Verhältnisse wie 3D-Parcours, aber weniger fehlerverzeihend. Mittlere Längen von 33 bis 36 Zoll bieten einen guten Kompromiss zwischen Wendigkeit und Stabilität. Lange Target-Bögen mit 37 bis 42 Zoll sind am stabilsten und ruhigsten, die beste Wahl für Anfänger und Präzisionsschützen.

Standhöhe (Brace Height): Niedrige Standhöhen von 6 bis 6,5 Zoll bedeuten längeren Beschleunigungsweg und höhere Geschwindigkeit, aber weniger Fehlerverzeihung. Höhere Standhöhen von 7 bis 8 Zoll machen den Bogen gutmütiger und beherrschbarer. Empfohlen für Einsteiger.

Was bedeutet IBO-Speed beim Compoundbogen?

IBO-Speed ist die standardisierte Geschwindigkeitsmessung nach Vorgaben der International Bowhunting Organization: 70 Pfund Zuggewicht, 30 Zoll Auszug, 350 grain Pfeilgewicht. Typische Werte reichen von 280 fps in der Einsteigerklasse bis 350+ fps bei High-Performance-Modellen. Pro Zoll kürzerer Auszug verliert man etwa 10 fps. Reale Werte liegen meist 10 bis 20 fps unter Herstellerangaben. Zur Orientierung: 300 fps entsprechen etwa 330 km/h.

KennwertEinsteiger-EmpfehlungErfahrene Schützen
Achsabstand33 bis 38 ZollJe nach Einsatz
Standhöhe7 bis 8 Zoll6 bis 7 Zoll
Let-Off70 bis 80%Nach Präferenz
IBO-Speed280 bis 310 fps320 bis 350 fps

Zuggewicht und Auszugslänge richtig wählen

Die beiden wichtigsten individuellen Einstellungen sind Zuggewicht und Auszugslänge. Fehler hier führen zu schlechter Technik, Frustration und im schlimmsten Fall zu Verletzungen.

Angaben auf dem Wurfarm. Ablesbar sind Seriennummer, Zuggewicht, Einstelbereich Auszug, Sehnenlänge, Länge Kontrollkabel.
Angaben auf dem Wurfarm. Seriennummer, Zuggewicht, Einstelbereich Auszug, Sehnenlänge, Länge Kontrollkabel.

Das richtige Zuggewicht wählen

Das Zuggewicht bezeichnet die maximale Kraft in Pfund (lbs), die zum Spannen aufgebracht werden muss. Typische Bereiche reichen von 10 bis 30 lbs für Kinder und Jugendliche über 30 bis 45 lbs für erwachsene Einsteiger bis zu 60 bis 70 lbs für erfahrene Schützen.

Der häufigste Anfängerfehler: zu hohes Zuggewicht wählen. Auch wenn das Let-Off das Halten erleichtert, beim Ausziehen muss die volle Kraft aufgebracht werden. Hier empfehle ich Anfängern maximal 30 bis 40 lbs, auch wenn der Bogen mehr kann.

Die Einstellung erfolgt über die Wurfarmschrauben an den Wurfarmen. Vollständig eingedreht bedeutet maximales Gewicht, herausdrehen reduziert das Zuggewicht.

Abschnitt einer Anleitung mit dem Hinweis zum Einstellen des Auszugs mit der Angabe der maximalen Umdrehungen
Beispiel: Hinweis maximale Anzahl an Umdrehungen zum Einstellung des Zuggewichts

Bitte beachten: Je nach Modell gibt es eine maximale Anzahl an vollen Umdrehungen, die eine Wurfarmschraube zum Absenken des Zuggewichts rausgedreht werden darf. Diese Angabe sollte sich im jeweiligen Datenblatt des Bogens finden lassen.

Auszugslänge korrekt bestimmen

KörpergrößeTypische Auszugslänge
160 bis 165 cm25 bis 26 Zoll
165 bis 175 cm26 bis 28 Zoll
175 bis 185 cm28 bis 30 Zoll
185 bis 195 cm30 bis 31 Zoll

Die Auszugslänge muss exakt zum Schützen passen. Die Faustformel lautet: Armspannweite in Zentimetern geteilt durch 2,5, dann durch 2,54 für Zoll. Ein 180 cm großer Mensch mit 180 cm Armspannweite kommt auf etwa 28 Zoll. Da beim Compoundbogen die Auszugslänge durch die Wall fest begrenzt ist, muss diese Einstellung stimmen. Anders als beim Recurve kann man nicht über oder unter dem idealen Auszug schießen.

Praxis-Tipp:

Moderne Einsteiger-Compoundbögen bieten oft große Verstellbereiche, zum Beispiel 19 bis 30 Zoll Auszug und 20 bis 60 lbs Zuggewicht. So kann der Bogen mit dir mitwachsen, ohne dass du nach einem Jahr ein komplett neues Modell kaufen musst.

Die Auszugslänge wird über durchnummerierte Module an den Cams in halben Zoll-Schritten eingestellt. Bei modernen Bögen ist diese Einstellung oft ohne Bogenpresse möglich.

Compoundbogen vs. Recurvebogen: Der direkte Vergleich

Fall-Away Pfeilauflage am einem schwarzen Compoundbogen montiert
Fall-Away Pfeilauflage klappt zum Zeitpunkt des Schusses nach vorne weg und verhindert Reibung

Der Vergleich zwischen Compound- und Recurvebogen offenbart fundamentale Unterschiede in Philosophie, Technik und Anwendung.

Beim Recurvebogen steigt die Zugkraft linear mit dem Auszug und erreicht am Ankerpunkt ihr Maximum. Der Schütze hält während der gesamten Zielphase das volle Gewicht. Die Pfeilgeschwindigkeiten liegen bei 150 bis 240 km/h, deutlich unter dem Compound. Dafür ist der Recurve einfacher aufgebaut, wartungsarm und die Sehne lässt sich selbst wechseln. Er ist modular: Wurfarme können ausgetauscht werden, um das Zuggewicht zu ändern.

Der Compoundbogen übertrumpft den Recurve bei Geschwindigkeit, über 300 km/h, und Präzision durch das Let-Off-System. Moderne Hilfsmittel wie Scopes, Releases und Stabilisatoren erhöhen die Genauigkeit und Reproduzierbarkeit weiter. Die Kehrseite besteht in der technische Komplexität, im höhen Wartungsaufwand und in der Abhängigkeit von Fachgeschäften für einige Einstellungen (z.B. teure Bogenpresse).

AspektCompoundbogenRecurvebogen
Haltegewicht im Vollauszug15% bis 35% (je nach Let-Off)100%
Pfeilgeschwindigkeit300+ km/h150 bis 240 km/h
SehnenwechselNur mit BogenpresseSelbst möglich
WartungsaufwandHochGering
EinstiegspreisAb 500 bis 600 €Ab 200 bis 300 €

Olympischer Sport

Ein entscheidender Unterschied für den Turniersport: Der Recurvebogen ist seit 1972 die einzige olympische Bogenklasse. Der Compound erhält wohl erst 2028 in Los Angeles seinen olympischen Debüt, und das nur als Mixed-Team-Wettbewerb mit 12 Teams. Für Schützen mit olympischen Ambitionen im Einzelwettkampf bleibt der Recurve die einzige Option. Die olympische Premiere des Compoundbogens ist dennoch ein historischer Meilenstein für die gesamte Compound-Community weltweit.

Vorteile und Nachteile ehrlich aufgezeigt

Vorteile des Compoundbogens

  • Let-Off ermöglicht ruhiges, langes Zielen ohne Ermüdung
  • Höchste Präzision durch technische Hilfsmittel (Scope, Release, Stabilisatoren)
  • Hohe Pfeilgeschwindigkeit (300+ km/h) bedeutet flachere Flugbahn
  • Verstellbar in Zuggewicht (meist 10 lbs Bereich) und Auszug
  • Geringere körperliche Belastung im Vollauszug
  • Bewegliche Pfeilauflage behindert Pfeil weniger

Nachteile des Compoundbogens

  • Hohe technische Komplexität erfordert Fachwissen
  • Wartungsaufwand: Sehnenwechsel, Cam-Timing, Peep-Sight nur mit Bogenpresse
  • Höhere Anschaffungskosten (500 bis 700 € Einstieg)
  • Abhängigkeit vom Fachgeschäft für viele Einstellungen
  • Leerschuss (Abschuss ohne Pfeil) kann Bogen zerstören und zu Verletzungen führen
  • Höheres Gewicht durch technische Ausstattung
  • Fehlerhafte Cam-Synchronisation reduziert Präzision massiv

Die Anschaffungskosten sind höher als bei anderen Bogentypen. Während Recurve-Einsteiger mit 100 bis 200 € starten können, beginnt der sinnvolle Compound-Einstieg bei 500 bis 700 € für Bogen plus Grundzubehör.

High-End-Modelle erreichen 2.000 € und mehr. Allerdings gilt die Faustregel: Als Anfänger schießt du mit einem 2.000-€-Bogen nicht besser als mit einem 500-€-Bogen. Die Technik zählt, nicht der Preis.

Kaufberatung: Für wen eignet sich ein Compoundbogen?

Ein 5-Pin Visier mit Beleuchtung an einem Compoundbogen
Ein 5-Pin Visier mit Beleuchtung an einem Compoundbogen (Einsatz meist für 3D- und Jagdbereich)

Der Compoundbogen-Kauf erfordert mehr Vorbereitung als bei anderen Bogentypen. Der wichtigste Rat: Niemals blind online kaufen. Der erste Compoundbogen muss individuell angepasst werden: Auszugslänge, Zuggewicht, Nockpunkthöhe, Visiereinstellung. Ein Fachgeschäft bietet Beratung, Probeziehen verschiedener Modelle und kostenlose Einstellung beim Kauf.

Checkliste: Passt der Compoundbogen zu dir?

Der Compoundbogen ist die richtige Wahl für dich, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Du bist technikbegeistert und beschäftigst dich gerne mit Mechanik
  • Maximale Präzision ist dein Ziel im Bogensport
  • Du bist bereit, 600 bis 900 € für eine komplette Erstausrüstung zu investieren
  • Du hast Zugang zu einem Fachgeschäft oder Bogensportverein
  • Du hast körperlich nicht die Kraft für traditionelle Bögen (Let-Off hilft enorm)
  • Du möchtest im Wettkampfsport erfolgreich sein
  • Du akzeptierst regelmäßige Wartung und technische Komplexität

Preisklassen im Überblick

Einsteigermodelle (200 bis 400 €): Sets unter 300 € haben oft minderwertiges Zubehör. Die Faustregel aus der Bogensport-Community: Alles unter 300 € ist nicht optimal, zweimal kaufen ist schlecht gespart. Bei diesen Preisen erhältst du meist suboptimales Zubehör wie Visiere, Pfeile und schlecht einstellbare Settings.

Mittelklasse (400 bis 800 €): Hier beginnt die empfehlenswerte Qualität. Bekannte Hersteller wie Diamond, Bear Archery, PSE und Hoyt bieten in diesem Segment solide Einsteiger-Compoundbögen mit großem Verstellbereich. Komplettsets Ready to Shoot inklusive Pfeile liegen bei 550 bis 800 € und sind für die ersten zwei bis drei Jahre völlig ausreichend.

Profi- und Turnierklasse (1.000 bis 2.000+ €): Neueste Innovationen, beste Performance, Carbon-Mittelstücke. Für ambitionierte Wettkampfschützen sinnvoll, für Anfänger überflüssig. Diese Bögen bieten minimale Verbesserungen, die nur auf höchstem Niveau spürbar werden.

Unverzichtbares Zubehör

Ein Scope mit Linse an einem Compound Visier
Ein Scope mit Linse an einem Compound Visier

Gesamtbudget für komplette Erstausrüstung:

Realistisch 600 bis 900 € für vernünftige Qualität einplanen. Darin enthalten: Bogen, Release, Visier, Pfeilauflage, 6 bis 12 Pfeile, Bogentasche, Armschutz.

Ein Compoundbogen allein reicht nicht. Du benötigst zwingend folgendes Zubehör:

  • Release (mechanischer Auslöser): Handgelenk-Release für Anfänger am sichersten, 50 bis 100 €
  • Visier: Pin-Visiere mit 3 bis 5 Entfernungsmarkierungen (35 bis 150 €) oder Target-Visiere mit Vergrößerung (200 bis 1.300 €)
  • Pfeilauflage: Drop-Away oder Whisker Biscuit, 30 bis 100 €
  • Pfeile: Carbonpfeile mit passendem Spine-Wert, 6 bis 15 € pro Pfeil, mindestens 6 Stück
  • Bogentasche oder Koffer: Für Transport und Schutz unerlässlich, 40 bis 300 €
  • Armschutz: Schützt vor Sehnenschlag, 15 bis 40 €
  • Fingertab oder Handschuh: Falls ohne Release geschossen wird, 10 bis 30 €

Die 5 häufigsten Anfängerfehler

  1. Zu hohes Zuggewicht: Mehr als 40 lbs für echte Anfänger ist zu viel. Technik geht vor Kraft. Das Let-Off hilft nur im Vollauszug, beim Ausziehen muss die volle Kraft aufgebracht werden.
  2. Falsche Auszugslänge: Beim Compound ist die Länge fest begrenzt durch die Wall. Fehler rächen sich sofort durch schlechte Haltung und Ungenauigkeit.
  3. Nur auf den Preis geschaut: Billige Sets unter 300 € frustrieren durch mangelhafte Qualität und ungenaue Einstellmöglichkeiten.
  4. Online ohne Beratung gekauft: Der Bogen muss individuell zum Schützen passen. Ohne Probeziehen und Fachberatung ist das Risiko eines Fehlkaufs enorm.
  5. Pfeile mit falschem Spine-Wert: Der Spine gibt die Steifigkeit des Pfeils an. Falsche Werte können zu Pfeilbruch und schweren Verletzungen führen.

Rechtslage in Deutschland

Pfeilauflage mit Bürsten an einem Compoundbogen
Pfeilauflage mit Bürsten an einem Compoundbogen

Der Compoundbogen ist in Deutschland kein Waffe im Sinne des Waffengesetzes, er gilt als Sportgerät. Der entscheidende rechtliche Unterschied zur Armbrust: Ein Bogen kann die Antriebsenergie nicht über eine Sperrvorrichtung speichern. Das Release speichert ebenfalls keine Energie, da diese beim Absetzen sofort verloren geht.

Die praktischen Konsequenzen sind weitreichend positiv: Kein Waffenschein erforderlich, keine Waffenbesitzkarte nötig, keine behördliche Erlaubnis für Erwerb oder Besitz, keine gesetzliche Altersbeschränkung. Im Gegensatz dazu dürfen Armbrüste erst ab 18 Jahren erworben werden.

Wo darf geschossen werden?

Erlaubt ist das Schießen auf dem eigenen Grundstück bei ausreichender Absicherung. Der Pfeil darf das Grundstück nicht verlassen. Weitere erlaubte Orte sind Vereinsanlagen und offizielle 3D-Parcours.

Offenes Tragen in der Öffentlichkeit kann als Störung der öffentlichen Ordnung gewertet werden. Transport im geschlossenen Behältnis ist empfohlen. Bögen müssen beim Transport nicht verschlossen werden, es genügt eine Tasche oder ein passender Koffer.

Bogenjagd in Deutschland

Bogenjagd ist in Deutschland verboten, geregelt in § 19 Bundesjagdgesetz. Das Gesetz schreibt vor, dass Schalenwild nur mit Kugelwaffen bejagt werden darf. Erlaubt ist die Bogenjagd unter anderem in Dänemark, Frankreich, Spanien und Italien. Der Deutsche Bogenjagdverband e.V. (DBJV) bietet den IBEP-Bogenjagdschein an, der zur Jagd im Ausland berechtigt.

Verbände und Wettkampfsport

Für Wettkampfschützen in Deutschland stehen drei relevante Verbände zur Wahl:

Deutscher Schützenbund (DSB): Mit etwa 40.000 Bogenschützen der größte Verband und einziger vom DOSB anerkannter Weg zu Olympia und World-Archery-Meisterschaften. Compound ist als eigene Klasse vertreten mit Wettkämpfen bei 50 Metern (Freien) auf 80-cm-Auflage und 18 Metern (Halle) auf 3er-Spot-Auflage mit 2-cm-10er-Ring.

Deutscher Feldbogen Sportverband (DFBV): Spezialisiert auf Feldbogen, 3D-Schießen und traditionelle Stile. Bietet mehr Bogenklassen, etwa 11 Stilarten, und ist Mitglied der IFAA (International Field Archery Association).

Deutscher Bogensport-Verband 1959 e.V. (DBSV): Orientiert am kompletten WA-Reglement, alle Disziplinen vom Hallenschießen bis 3D.

Wettkampfdistanzen

Die Compound-Wettkampfdistanzen unterscheiden sich je nach Disziplin: 50 Meter im Freien auf 80-cm-Auflage (nur innere 6 Ringe zählen), 18 Meter in der Halle auf 3er-Spot-Auflage mit 2-cm-10er-Ring. Beim Feldbogenschießen variieren die Entfernungen zwischen 5 und 60 Metern, beim 3D-Schießen zwischen 10 und 45 Metern, immer mit geschätzter Entfernung.

Erlaubte Hilfsmittel im Compound-Wettkampf umfassen Scope (Vergrößerungsvisier), Stabilisatoren, Release, Peep Sight und D-Loop. Das maximale Zuggewicht ist bei World Archery auf 60 Pfund begrenzt.

Olympia 2028

Die mögliche olympische Premiere des Compoundbogens in Los Angeles (als Mixed-Wettbewerb im Gespräch) wäre ein historischer Meilenstein. Für Einzelwettkämpfe bei Olympia bleibt der Recurvebogen die einzige Option.

Häufige Fragen zum Compoundbogen

Brauche ich für einen Compoundbogen einen Waffenschein?

Nein. Bögen gelten in Deutschland als Sportgeräte. Es wird kein Waffenschein, keine Waffenbesitzkarte und keine behördliche Erlaubnis benötigt. Es gibt auch keine Altersbeschränkung für den Erwerb.

Muss ich den Compoundbogen abspannen, wenn ich ihn nicht benutze?

Nein. Anders als Recurve- und Langbögen bleibt der Compoundbogen dauerhaft gespannt. Die modernen Materialien sind dafür ausgelegt. Das Abspannen erfordert eine Bogenpresse und sollte nur von Fachleuten durchgeführt werden.

Was bedeutet Let-Off?

Die prozentuale Reduzierung des Zuggewichts im Vollauszug. Bei 60 lbs und 80% Let-Off hältst du nur noch 12 lbs. Typische Werte liegen bei 65 bis 85 Prozent.

Welches Zuggewicht für Anfänger?

20 bis 30 Pfund zum Start, maximal 40 Pfund. Das volle Gewicht muss beim Ausziehen aufgebracht werden, erst im Vollauszug greift das Let-Off.

Kann ich im eigenen Garten schießen?

Grundsätzlich ja, wenn absolute Sicherheit gewährleistet ist: geeigneter Pfeilfang, kein Durchschussrisiko, Fehlschüsse können das Grundstück nicht verlassen. Mindestens 150 Meter Sicherheitszone hinter dem Ziel einplanen.

Ist der Compoundbogen für Anfänger geeignet?

Ja, mit Einschränkungen. Das Let-Off erleichtert das Halten, Visiere erhöhen die Treffsicherheit. Allerdings erfordert der Bogen korrekte Einstellung und Wartungskenntnisse. Viele Experten empfehlen den Einstieg im Verein oder mit Fachberatung durch ein Bogensport-Fachgeschäft.

Fazit

Der Compoundbogen ist die optimale Wahl für technikbegeisterte Schützen, die maximale Präzision und Leistung suchen. Das Let-Off-System macht ihn auch für körperlich weniger starke Personen attraktiv, da beim Zielen nur ein Bruchteil des Zuggewichts gehalten werden muss. Die Möglichkeit, den Bogen in Zuggewicht und Auszugslänge anzupassen, erlaubt ein Mitwachsen von Anfänger- bis Fortgeschrittenenniveau.

Was ist ein Compoundbogen also? Ein hochmodernes Sportgerät mit Cam-Mechanik, das durch seine technische Raffinesse besticht und gleichzeitig körperliche Belastung reduziert. Wer bereit ist, sich mit der technischen Komplexität auseinanderzusetzen, regelmäßige Wartung zu akzeptieren und ein höheres Einstiegsbudget von 600 bis 900 € zu investieren, wird mit einem Instrument belohnt, das Treffsicherheit auf höchstem Niveau ermöglicht.

Die olympische Premiere 2028 in Los Angeles unterstreicht den gewachsenen Status dieser faszinierenden Bogenvariante im internationalen Sport. Der empfohlene Einstieg führt über einen Schnupperkurs im Verein, gefolgt von einer ausführlichen Beratung im Fachgeschäft. Mit einem realistischen Budget, niedrigem Zuggewicht zum Start und der richtigen Einstellung steht deinem Erfolg im Compoundbogen-Sport nichts im Weg.

Bögen im Überblick
  • Verschiedene Kinderbögen an einer Verkaufswand
  • Mehrere Reiterbögen hängen gespannt an einer Wand.
  • Ein Langbogen mit einem bunten, laminierten Holzgurt ruhen auf einem moosbedeckten Baumstamm in einem sonnenbeschienenen Wald.
  • Ein Hybridbogen mit bunten, geschichteten Mustern, der auf grünem Gras und kleinen lila Blumen liegt.
  • Dreiteilige Einsteiger Recurvebögen hängen an einer Wand.
  • Compoundbögen hängen nebeneinander an der Wand.

Ich bin Moritz

Seit 2014 im Bogensport-Fachhandel tätig. Meine Ratgeber basieren auf echter Praxiserfahrung aus tausenden Kundengesprächen und nicht auf Werbeversprechen.
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