Du stehst vor der Entscheidung, deinen ersten Bogen zu kaufen, und plötzlich stolperst du über Angaben wie „68 Zoll“ oder „70 Zoll“. Die Wahl der richtigen Bogenlänge sorgt bei vielen Anfängern für Verwirrung. Welche Größe brauchst du wirklich? Die Antwort ist überraschend einfach, wenn du weißt, worauf es ankommt.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die perfekte Bogenlänge für dich findest, warum dein Auszug wichtiger ist als deine Körpergröße und welche Fehler du beim Bogenkauf unbedingt vermeiden solltest. Nach diesem Artikel weißt du genau, welche Größe dein Bogen haben muss.
Was bedeutet Bogenlänge überhaupt?
Die Bogenlänge gibt den Abstand von einem Wurfarmende zum anderen an, gemessen entlang des Bogenrückens. Dieser Wert wird nach dem AMO-Standard (Archery Manufacturers Organization, heute ATA) bestimmt und immer in Zoll angegeben. Die tatsächliche Bogenlänge entspricht dabei der Sehnenlänge plus 4 Zoll.
Ein Beispiel macht das deutlich: Wenn du einen 68-Zoll-Bogen kaufst, benötigst du eine 64-Zoll-Sehne (68 – 4 = 64). Diese Standardisierung stellt sicher, dass alle Hersteller einheitlich messen und du Sehnen problemlos nachkaufen kannst. Die Messung erfolgt nicht in einer geraden Linie zwischen den Tips, sondern folgt der natürlichen Kurve des Bogenrückens.
Warum die Bogenlänge so wichtig ist
Die Länge deines Bogens beeinflusst drei entscheidende Faktoren: das Schussverhalten, den Auszugskomfort und die Fehlerverzeihung. Ein längerer Bogen bietet mehr Stabilität beim Zielen und verzeiht technische Fehler besser. Die Sehne verläuft in einem flacheren Winkel, was die Belastung auf deine Finger reduziert und den Auszug angenehmer macht.
Kürzere Bögen sind kompakter und erreichen höhere Pfeilgeschwindigkeiten bei gleichem Zuggewicht. Allerdings neigen sie zu „Stacking“, einem spürbaren Kraftanstieg bei vollem Auszug, und die Sehne kann deine Finger unangenehm quetschen. Für präzises Schießen und saubere Technik sind längere Bögen daher meist die bessere Wahl.
Vergleich: Kurzer vs. langer Bogen
| Eigenschaft | Kurzer Bogen (60-64″) | Langer Bogen (68-70″) |
|---|---|---|
| Pfeilgeschwindigkeit | Höher | Etwas niedriger |
| Stabilität | Geringer | Sehr gut |
| Fehlerverzeihung | Gering | Hoch |
| Auszugskomfort | Fingerquetschung möglich | Angenehm sanft |
Welche Bogenlänge brauche ich?
Die richtige Bogenlänge bestimmst du primär über deine Auszugslänge, nicht über deine Körpergröße. Die Auszugslänge gibt an, wie weit du den Bogen ausziehst, gemessen vom tiefsten Punkt des Griffstücks bis zur Nocke des Pfeils plus 1,75 Zoll. Dieser Wert ist individuell und hängt von deiner Anatomie ab, besonders von deiner Armspannweite.
Nach Auszugslänge bestimmen: die präzise Methode
- Miss deine Armspannweite (Fingerspitze zu Fingerspitze).
- Teile den Wert durch 2,5 (Ergebnis in cm).
- Teile das Ergebnis durch 2,54 (Ergebnis in Zoll = deine Auszugslänge).
Ein Beispiel: Bei einer Armspannweite von 180 cm ergibt sich: 180 ÷ 2,5 = 72 cm, dann 72 ÷ 2,54 = 28,3 Zoll Auszugslänge. Für präzise Messungen empfehlen erfahrene Bogenschützen die Verwendung eines Messpfeils im Fachhandel oder Verein.
Empfohlene Bogenlänge nach Auszug (Olympische Recurves)
| Auszugslänge | Empfohlene Bogenlänge |
|---|---|
| bis 56 cm (22″) | 58 Zoll |
| 56-61 cm (22-24″) | 62 Zoll |
| 61-66 cm (24-26″) | 64-66 Zoll |
| 66-71 cm (26-28″) | 66-68 Zoll |
| 71-76 cm (28-30″) | 68-70 Zoll |
| über 76 cm (30″+) | 70-72 Zoll |
Diese Tabelle basiert auf den Richtlinien der World Archery Federation und wird von führenden Herstellern wie Hoyt und Win&Win empfohlen. Die goldene Regel lautet: Im Zweifel wählst du die längere Variante. Ein zu langer Bogen verzeiht mehr Fehler, ein zu kurzer bestraft jeden kleinen Fehler beim Auszug.
Nach Körpergröße: die Faustformel für Einsteiger
Wenn du deine Auszugslänge nicht exakt kennst, bietet die Körpergröße einen groben Anhaltspunkt. Diese Methode eignet sich vor allem für den ersten Überblick oder beim Kauf von Leihausrüstung.
| Körpergröße | Bogenlänge |
|---|---|
| 120-135 cm | 58 Zoll |
| 136-150 cm | 62 Zoll |
| 151-160 cm | 64 Zoll |
| 161-167 cm | 66 Zoll |
| 168-175 cm | 68 Zoll |
| ab 176 cm | 70 Zoll |
Für Kinder und Jugendliche gelten besondere Empfehlungen. Bis zu einem Alter von 10-12 Jahren reicht oft ein 58-Zoll-Bogen aus, sofern die Körpergröße unter 145 cm liegt. Beachte aber, dass das Zuggewicht mindestens genauso wichtig ist wie die Länge. Ein zu schwerer Bogen verhindert saubere Technik, unabhängig von der korrekten Länge.
Wie variiert die Bogenlänge je nach Bogentyp?

Nicht jeder Bogen wird gleich gemessen. Je nachdem, ob du einen Compound-, Lang- oder Recurvebogen wählst, verändert sich die benötigte Bogenlänge massiv. Während sportliche Recurvebögen meist groß gewachsen sind, punkten Jagdbögen durch Kompaktheit.
Olympische und sportliche Recurvebögen
Diese Bögen erfordern die präziseste Größenanpassung. Der Standard liegt zwischen 66 und 70 Zoll, wobei 68 Zoll als Universalgröße für erwachsene Schützen gilt. Sportliche Recurvebögen nutzen häufig das ILF-System (International Limb Fitting), bei dem du das Mittelstück mit verschiedenen Wurfarmlängen kombinieren kannst.
Ein 25-Zoll-Mittelstück mit Medium-Wurfarmen ergibt beispielsweise einen 68-Zoll-Bogen. Tauschst du gegen Long-Wurfarme, erhältst du 70 Zoll. Diese Flexibilität macht ILF-Bögen besonders für Einsteiger interessant, da du die Größe später anpassen kannst, ohne einen komplett neuen Bogen kaufen zu müssen.
Traditionelle Recurvebögen

Traditionelle Modelle sind deutlich kompakter gebaut. Die gängigen Größen liegen bei 60 bis 62 Zoll, unabhängig von der Körpergröße des Schützen. Diese Bögen haben kürzere Griffstücke (15-19 Zoll) und sind weniger größenabhängig als sportliche Varianten.
Wichtig ist hier der maximale Auszug, den der Hersteller angibt. Der beliebte Samick Sage in 62 Zoll verträgt beispielsweise Auszüge bis 29 Zoll. Darüber hinaus empfiehlt Samick das 64-Zoll-Modell Journey. Diese Information findest du normalerweise in den technischen Daten des Bogens.
Langbögen
Bei Langbögen orientiert sich die Länge grob an der Körpergröße des Schützen. Englische Langbögen bewegen sich zwischen 70 und 78 Zoll, amerikanische Flatbows liegen bei 68 bis 72 Zoll. Hybridbögen, eine Mischform zwischen Lang- und Recurvebogen, messen meist 64 bis 68 Zoll.
Compoundbögen
Compoundbögen werden nach der ATA-Länge (Axle-to-Axle) gemessen, also dem Abstand zwischen den Achsen der Cams. Jagdmodelle liegen bei 30 bis 34 Zoll, Wettkampfbögen bei 40 bis 48 Zoll. Die Körpergröße spielt hier eine untergeordnete Rolle, da sich die Auszugslänge über Module präzise einstellen lässt.
Die 5 häufigsten Fehler beim Bogenkauf
Mein Tipp:
Erfahrene Bogenschützen und Trainer empfehlen einhellig: Lieber einen Zoll zu lang als zu kurz. Ein längerer Bogen verzeiht mehr Fehler, ermöglicht saubere Technik und belastet deine Finger weniger. Du wirst präziser schießen und schneller Fortschritte machen. Die minimal geringere Pfeilgeschwindigkeit spielt für Einsteiger keine Rolle.
Fehler 1: Zu kurzer Bogen
Der mit Abstand häufigste Fehler. Ein zu kurzer Bogen führt zu Fingerquetschung (die Sehne läuft in einem spitzen Winkel über die Finger), Stacking (der Kraftaufwand steigt am Ende des Auszugs stark an) und erschwert saubere Technik. Viele Anfänger unterschätzen ihre Auszugslänge oder verwenden Jagdbogen-Tabellen für sportliche Bögen.
Fehler 2: Nur nach Körpergröße kaufen
Zwei Menschen mit 175 cm Körpergröße können Auszugslängen von 27 bis 30 Zoll haben, je nach Armspannweite. Die Körpergröße ist nur ein grober Richtwert. Die Auszugslänge ist entscheidend und muss individuell gemessen werden.
Fehler 3: Jagdbogen-Tabellen für Sportbögen nutzen
Jagdrecurves sind kompakter (meist 60-62 Zoll) und für schnelle Schüsse im Gelände optimiert. Sportliche Bögen brauchen mehr Länge für Stabilität und Präzision. Die Empfehlungen sind nicht übertragbar.
Fehler 4: Zu schweres Zuggewicht kombiniert mit falscher Länge
Ein zu kurzer Bogen mit zu hohem Zuggewicht ist die schlechteste Kombination. Anfänger verkrampfen, entwickeln falsche Technik und verlieren schnell die Freude am Sport. Besser: Längerer Bogen mit moderatem Zuggewicht (20-24 lbs für Anfänger).
Fehler 5: Ohne Test kaufen
Online-Kauf ohne vorheriges Ausprobieren ist riskant. Im Verein oder Fachhandel kannst du verschiedene Längen testen und spürst sofort, welcher Bogen sich richtig anfühlt. Die meisten Vereine bieten Leihausrüstung an.
Kaufempfehlungen für Einsteiger
Der sichere Standard für Erwachsene
Als erwachsener Einsteiger bist du mit einem 68-Zoll-Recurvebogen und 20 bis 24 Pfund Zuggewicht optimal ausgestattet. Diese Kombination funktioniert für Körpergrößen zwischen 165 und 185 cm und Auszüge von 26 bis 29 Zoll.
Wähle unbedingt einen Take-Down-Bogen (dreiteilig, zerlegbar) statt eines einteiligen Modells. Take-Down-Bögen lassen sich leichter transportieren und vor allem kannst du die Wurfarme später austauschen. Wenn deine Kraft zunimmt oder du merkst, dass du doch eine andere Größe brauchst, kaufst du einfach neue Wurfarme statt eines komplett neuen Bogens.
Das ILF-System bietet die größte Flexibilität. Ein 25-Zoll-ILF-Mittelstück kombiniert mit verschiedenen Wurfarmlängen (Short, Medium, Long) ermöglicht Bogenlängen von 66 bis 72 Zoll. Deutsche Hersteller wie Bearpaw/Bodnik Bows bieten beispielsweise die Penthalon-Serie mit 30 Jahren Garantie an.
Für Kinder und Jugendliche
| Alter/Größe | Bogenlänge | Zuggewicht |
|---|---|---|
| 6-8 Jahre / bis 120 cm | 54 Zoll | 8-12 lbs |
| 8-10 Jahre / 120-135 cm | 58 Zoll | 10-14 lbs |
| 10-12 Jahre / 135-150 cm | 62 Zoll | 12-18 lbs |
| ab 12 Jahre / über 150 cm | 64-66 Zoll | 16-22 lbs |
Bei Kindern ist besonders wichtig, dass der Bogen „mitwächst“. ILF-Take-Down-Bögen sind hier ideal, da du zunächst kurze Wurfarme mit geringem Zuggewicht kaufst und später auf Medium- oder Long-Wurfarme mit höherem Zuggewicht wechseln kannst, ohne das Mittelstück austauschen zu müssen.
Checkliste vor dem Kauf
Bevor du einen Bogen kaufst, solltest du folgende Punkte abhaken können:
- Auszugslänge korrekt gemessen (Spannweiten-Methode oder Messpfeil)
- Verschiedene Bogenlängen im Verein oder Fachhandel getestet
- Fachhändler oder erfahrene Schützen konsultiert
- Entscheidung zwischen Take-Down (flexibel) oder einteilig (traditionell)
- Zuggewicht passend zur Körperkraft gewählt (nicht zu schwer!)
- Budget für Zubehör eingeplant (Pfeile, Armschutz, Fingerschutz)
Wie hängen Bogenlänge und Standhöhe zusammen?
Die Standhöhe beschreibt den Abstand zwischen Sehne und dem tiefsten Punkt des Griffstücks. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Bogenlänge und beeinflusst das Schussverhalten erheblich. Als Faustregel gilt: Die minimale Standhöhe entspricht der Bogenlänge geteilt durch 8, die maximale der Bogenlänge geteilt durch 7,33.
Für einen 68-Zoll-Bogen ergibt sich daraus: Minimum 8,5 Zoll (68 ÷ 8), Maximum 9,3 Zoll (68 ÷ 7,33). Die meisten Hersteller empfehlen eine Standhöhe um 8,75 bis 9 Zoll für optimales Schussverhalten.
Eine zu geringe Standhöhe führt zu stärkerem Handschock (Vibrationen beim Schuss) und erhöht die Gefahr, dass die Sehne deinen Unterarm trifft. Eine zu hohe Standhöhe macht den Bogen weniger effizient und kann die Pfeilgeschwindigkeit reduzieren. Die korrekte Einstellung der Standhöhe ist daher genauso wichtig wie die Wahl der richtigen Bogenlänge.
Häufig gestellte Fragen zur Bogenlänge
Kann ich als 1,85 m großer Mensch einen 62 Zoll Bogen schießen?
Technisch ist das möglich, aber nicht empfehlenswert. Bei deiner Körpergröße liegt deine Auszugslänge wahrscheinlich bei 29 bis 31 Zoll. Ein 62-Zoll-Bogen ist für diesen Auszug zu kurz, was zu Fingerquetschung und Stacking führt. Die Sehne läuft in einem sehr spitzen Winkel über deine Finger, was unangenehm ist und saubere Technik erschwert. Für deine Größe sind 68 bis 70 Zoll deutlich besser geeignet. Ausnahmen sind traditionelle kompakte Bögen. Diese sind von den genannten Größentabellen und Vorgaben ausgenommen.
Was passiert konkret, wenn der Bogen zu kurz ist?
Ein zu kurzer Bogen zeigt mehrere problematische Effekte: Erstens quetscht die Sehne deine Finger zusammen, weil der Winkel zu spitz wird. Zweitens tritt Stacking auf, das heißt der Kraftaufwand steigt am Ende des Auszugs überproportional an. Drittens leidet die Genauigkeit, weil der Bogen weniger Fehler verzeiht. Viertens erhöht sich die Belastung auf die Wurfarme, was zu schnellerem Verschleiß oder sogar Materialversagen führen kann. Langfristig entwickelst du außerdem schlechte Technik, weil du unbewusst verkrampfst.
Muss ich für einen 70 Zoll Bogen auch 70 Zoll lange Pfeile kaufen?
Nein, das ist ein häufiges Missverständnis. Die Pfeillänge richtet sich nach deiner Auszugslänge plus einer Sicherheitsreserve von etwa 1 Zoll, nicht nach der Bogenlänge. Bei einer Auszugslänge von 28 Zoll benötigst du 29-Zoll-Pfeile, egal ob dein Bogen 66, 68 oder 70 Zoll misst. Die Bogenlänge und die Pfeillänge sind zwei separate Werte, die unterschiedlich bestimmt werden.
Sind längere Bögen langsamer?
Ja, aber der Unterschied ist minimal und für Einsteiger völlig irrelevant. Ein 70-Zoll-Bogen ist bei gleichem Zuggewicht etwa 2 bis 5 fps (feet per second) langsamer als ein 66-Zoll-Bogen. Diese Differenz merkst du erst auf sehr große Distanzen oder im Wettkampfsport. Die Vorteile längerer Bögen (Stabilität, Fehlerverzeihung, Auszugskomfort) überwiegen für 95 Prozent der Bogenschützen diesen kleinen Geschwindigkeitsverlust deutlich. Präzision ist wichtiger als Geschwindigkeit.
Kann ich die Bogenlänge nachträglich ändern?
Bei Take-Down-Bögen ja, bei einteiligen Bögen nein. Take-Down-Bögen bestehen aus einem Mittelstück und zwei Wurfarmen, die du austauschen kannst. Wenn du ein 25-Zoll-ILF-Mittelstück hast, kannst du von Medium-Wurfarmen (68 Zoll Gesamtlänge) auf Long-Wurfarme (70 Zoll) wechseln oder umgekehrt. Bei einteiligen Bögen ist die Länge fix und nicht veränderbar. Das ist einer der Hauptgründe, warum Einsteiger zu Take-Down-Bögen greifen sollten.
Fazit
Die richtige Bogenlänge zu finden ist simpler als gedacht, wenn du die Grundregel beachtest: Deine Auszugslänge ist entscheidend, nicht deine Körpergröße. Miss deine Armspannweite, teile durch 2,5 und wähle die Bogenlänge entsprechend der Tabelle für deinen Bogentyp. Für olympische Recurvebögen ist 68 Zoll der Universalstandard für die meisten erwachsenen Schützen.
Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst: Wähle im Zweifel immer die längere Variante. Ein zu langer Bogen verzeiht Fehler, ein zu kurzer bestraft sie. Take-Down-Bögen mit ILF-System bieten die größte Flexibilität für spätere Anpassungen. Teste verschiedene Längen im Verein oder Fachhandel, bevor du kaufst. Die Investition von ein bis zwei Stunden Beratung erspart dir teure Fehlkäufe.







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