Du schießt regelmäßig, deine Technik sitzt, und trotzdem streuen deine Pfeile? Oft liegt es an einem Detail: dem Nockpunkt. Für Einsteiger im Bogensport ist die korrekte Position dieses Referenzpunkts der Schlüssel zu konstanten Treffern.
In diesem Ratgeber erfährst du, was der Nockpunkt beim Bogenschießen genau ist, warum seine präzise Position so wichtig ist und wie du ihn Schritt für Schritt korrekt bestimmst und setzt. Mit dem richtigen Wissen verwandelst du dieses oft unterschätzte Detail in einen echten Präzisionsvorteil.
Was ist der Nockpunkt?
Der Nockpunkt ist eine kleine Markierung auf der Bogensehne, die als Referenzpunkt für die konstante Positionierung deines Pfeils dient. Er definiert exakt, wo die Nocke des Pfeils an der Sehne eingehängt wird. Diese gleichbleibende Position ist entscheidend für reproduzierbare Schüsse und damit für deine Treffergenauigkeit.
Physikalisch betrachtet beeinflusst der Nockpunkt den Winkel, in dem der Pfeil die Sehne verlässt. Sitzt er zu hoch oder zu tief, ändert sich die Flugbahn des Pfeils bereits beim Austritt aus dem Bogenfenster. Selbst minimale Abweichungen von ein bis zwei Millimetern können auf größere Distanzen zu deutlichen Streuungen führen.
Arten von Nockpunkten
Je nach Bogentyp und persönlicher Vorliebe stehen dir verschiedene Nockpunkt-Varianten zur Verfügung:
| Typ | Eigenschaften | Für wen geeignet |
|---|---|---|
| Messingringe | Kleine Metallringe, die mit einer Nockpunktzange auf die Sehne geklemmt werden. Sehr präzise und langlebig. | Sportschützen, alle Bogentypen |
| Takling-Wicklungen | Aus Garn gewickelt, traditionell und sehnenschonend. Erfordert etwas Geschick beim Anbringen. | Traditionelle Bogenschützen, Langbögen |
| Gummiringe/Clips | Flexible Kunststoffringe, schnell angebracht. Können verrutschen und sind weniger präzise. | Für den ersten Test in Ordnung, später dann Messingringe |
Messingringe gelten als Standard im modernen Bogensport. Sie lassen sich präzise positionieren und bleiben dauerhaft an ihrem Platz. Takling-Wicklungen haben den Vorteil, dass sie die Sehne nicht zusätzlich belasten und besonders im traditionellen Bogenschießen geschätzt werden.
Warum die richtige Position so wichtig ist
Der Nockpunkt wirkt wie ein Anker für deinen Schussablauf. Seine Position bestimmt den Winkel, in dem der Pfeil die Bogensehne verlässt und durch das Bogenfenster austritt. Dieser Austrittswinkel beeinflusst direkt die Flugbahn und damit deine Trefferlage.
Die Position des Nockpunkts steht in direktem Zusammenhang mit der Standhöhe deines Bogens und der Höhe deiner Pfeilauflage. Laut World Archery Standards bilden diese drei Komponenten ein präzise aufeinander abgestimmtes System. Änderst du eine Variable, musst du die anderen anpassen.
Sitzt der Nockpunkt zu hoch, verlässt der Pfeil den Bogen in einem zu steilen Winkel nach unten. Das Ergebnis: Deine Pfeile treffen tiefer als anvisiert. Bei einem zu tief gesetzten Nockpunkt passiert das Gegenteil. Der Pfeil steigt stärker an und trifft höher. Auch seitliche Abweichungen können auftreten, wenn der Pfeil nicht sauber aus dem Bogenfenster austritt.
Diese Effekte verstärken sich mit zunehmender Entfernung. Was auf 10 Meter nur wenige Zentimeter ausmacht, führt auf 30 Meter bereits zu deutlichen Fehlschüssen außerhalb der Zehner-Zone.
Nockpunkt einstellen: So findest du die richtige Position
Die korrekte Nockpunkt-Position hängt davon ab, ob du traditionell oder sportlich schießt. Der Unterschied liegt in der Art der Pfeilauflage und damit in der Höhe, auf der dein Pfeil aufliegt.
Traditionelles Schießen über das Shelf

Position: Messe den Abstand so, dass die Unterkante des Nockpunkts ca. 11-13 mm über der 90°-Linie liegt.
Der Pfeil liegt direkt auf dem Bogenfenster auf. Die höhere Position kompensiert den tieferen Auflagepunkt und sorgt dafür, dass der Pfeil in einem optimalen Winkel austritt.
Sportliches Schießen mit Pfeilauflage

Position: 8-10 mm über der 90°-Linie
Die Pfeilauflage hebt den Pfeil bereits an. Deshalb benötigst du einen geringeren Abstand zum rechten Winkel, um den gleichen Austrittswinkel zu erreichen.
Die 90°-Linie ist der Ausgangspunkt für alle Messungen. Sie verläuft im rechten Winkel vom tiefsten Punkt deines Mittelstücks zur Sehne. Von dieser imaginären Linie aus misst du nach oben, um die korrekte Nockpunkt-Position zu bestimmen.
Benötigte Werkzeuge
Für präzises Arbeiten benötigst du spezielles Equipment:
- Sehnenmaßstab (Bow Square/Checker): Dieses T-förmige Werkzeug legt sich an die Pfeilauflage an und zeigt dir die 90°-Linie sowie die Abstände in Millimetern oder Zoll an.
- Nockpunktzange: Eine spezielle Zange, mit der du Messingringe kontrolliert auf die Sehne klemmst, ohne die Sehne zu beschädigen.
- Alternativ: Ein Lineal und gutes Augenmaß funktionieren zur Not auch, sind aber deutlich unpräziser.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Nockpunkt richtig setzen
Mit der richtigen Methode setzt du deinen Nockpunkt in wenigen Minuten präzise und dauerhaft. Folge dieser Anleitung:
1. Bogen aufspannen und vorbereiten
Spanne deinen Bogen mit der Spannschnur auf. Kontrolliere, dass die Sehne korrekt in den Sehnenkerben sitzt. Nimm einen Pfeil zur Hand, den du später auch schießen wirst.
2. Die 90°-Linie bestimmen
Setze den Sehnenmaßstab an der Pfeilauflage an. Die breite Seite des Checkers liegt am tiefsten Punkt des Mittelstücks auf. Der senkrechte Arm zeigt nun die 90°-Linie zur Sehne.
Häufiger Fehler: Viele Anfänger halten den Checker schräg. Achte darauf, dass er wirklich im rechten Winkel zur Sehne steht. Eine schiefe Messung führt zu falschen Positionen.
3. Den gewünschten Abstand nach oben abmessen
Nutze die Skala am Sehnenmaßstab und messe von der 90°-Linie nach oben:
- Traditionell: 11-13 mm
- Sportlich: 8-10 mm
Starte mit dem mittleren Wert (12 mm bzw. 9 mm). Feinabstimmungen nimmst du später vor.
4. Die Position markieren
Markiere die ermittelte Stelle leicht mit einem wasserlöslichen Stift oder merke dir die Position anhand der Mittelwicklung der Sehne.
5. Nockpunkt mit Zange fixieren
Nimm einen Messingring und setze ihn mit der Nockpunktzange auf die markierte Stelle. Klemme ihn fest, aber nicht so stark, dass die Sehne beschädigt wird. Der Ring sollte mit leichtem Druck verschiebbar sein, aber nicht von selbst wandern.
Tipp: Setze den Nockpunkt zunächst nur leicht. So kannst du ihn bei Bedarf noch nachjustieren.
6. Testschüsse und Feinabstimmung
Schieße eine Serie von 6-10 Pfeilen auf kurze Distanz (10-15 Meter). Beobachte die Trefferlage. Gruppieren die Pfeile gut, aber treffen konstant zu hoch oder zu tief? Dann justiere den Nockpunkt:
- Pfeile treffen zu tief → Nockpunkt 1-2 mm nach unten
- Pfeile treffen zu hoch → Nockpunkt 1-2 mm nach oben
7. Endgültige Fixierung
Wenn die Position stimmt, klemme den Nockpunkt fest. Bei Bedarf kannst du einen zweiten Ring darüber setzen, um die Position zusätzlich zu sichern.
8. Position dokumentieren
Notiere die finale Position in deinem Bogen-Tagebuch. Beim nächsten Sehnenwechsel weißt du dann genau, wo der Nockpunkt hingehört.
Einfacher oder doppelter Nockpunkt?
Eine häufige Frage lautet: Reicht ein Nockpunkt oder sollte ich zwei setzen? Die Antwort hängt von deinem Erfahrungslevel ab.
Einzelner Nockpunkt
Der Standard für erfahrene Schützen ist ein einzelner Nockpunkt oberhalb der Pfeilnocke. Der Pfeil wird von unten durch die Pfeilauflage gestützt und von oben durch den Nockpunkt begrenzt. Diese Variante bietet weniger Material an der Sehne, was die Reibung minimal hält und ein sauberes Lösen begünstigt.
Doppelter Nockpunkt
Für Anfänger empfiehlt sich häufig ein doppelter Nockpunkt. Dabei wird ein zweiter Ring unterhalb der Pfeilnocke gesetzt.
Vorteile:
- Der Pfeil kann nicht verrutschen und bleibt immer an der exakt gleichen Position
- Konstante Schüsse sind garantiert, selbst bei hektischen Bewegungen
- Ideal für die Lernphase, wenn die Bewegungsabläufe noch nicht automatisiert sind
- Besonders hilfreich bei wechselnden Witterungsbedingungen
Nachteile:
- Minimal mehr Reibung an der Sehne beim Lösen
- Etwas mehr Aufwand beim Setzen
- Kann bei sehr präzisen Einstellungen einschränkend wirken
Der Abstand zwischen beiden Nockpunkten sollte etwa 1-2 mm mehr betragen als die Dicke deiner Pfeilnocke. So sitzt der Pfeil sicher, hat aber noch minimal Spiel für ein sauberes Lösen.
Nockpunkt überprüfen und anpassen
Der Nockpunkt ist keine „einmal einstellen und vergessen“-Komponente. Verschiedene Faktoren erfordern regelmäßige Kontrollen.
Wann sollte der Nockpunkt überprüft werden?
Kontrolliere die Position in diesen Situationen:
- Nach jedem Sehnenwechsel (die neue Sehne kann minimal andere Eigenschaften haben)
- Bei Änderung der Pfeilauflage oder deren Höhe
- Bei neuen Pfeilen mit anderen Nocken (verschiedene Nockengrößen erfordern Anpassungen)
- Regelmäßig alle 2-3 Monate bei intensivem Training
- Nach längeren Schießpausen (Sehnen können sich minimal dehnen)
Der Papiertest zur Kontrolle
Eine präzise Methode zur Überprüfung ist der Papiertest. Dabei schießt du aus kurzer Distanz (etwa 2 Meter) durch ein gespanntes Papier. Die Form des Einschusslochs verrät dir, ob dein Setup stimmt.
Laut Bogenschützen von ArcheryTalk, einem der größten Bogensport-Foren weltweit, zeigt ein perfekter Einschuss einen sauberen Riss mit drei kleinen Löchern von den Federn. Ist der Riss schräg oder zeigt nach oben/unten, muss der Nockpunkt angepasst werden.
Tipp: Ein Papiertest-Rahmen erleichtert die Durchführung deutlich. Alternativ erhältst du professionelle Tuning-Services in jedem Bogensport-Fachgeschäft.
Feinabstimmung vornehmen
Minimale Anpassungen von 0,5 bis 1 Millimeter können große Wirkung zeigen. Verschiebe den Nockpunkt schrittweise und schieße nach jeder Änderung mindestens 6 Pfeile. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die Anpassung die gewünschte Wirkung zeigt.
Geduld ist hier entscheidend. Tuning ist ein iterativer Prozess. Erfahrene Bogenschützen investieren Stunden in die perfekte Einstellung, weil sie wissen: Diese Präzision zahlt sich bei jedem Schuss aus.
Häufige Fragen zum Nockpunkt
Auch erfahrene Bogenschützen machen gelegentlich Fehler beim Setzen oder Prüfen des Nockpunkts. Diese häufigen Probleme solltest du kennen:
Warum rutscht mein Nockpunkt?
Ein verrutschender Nockpunkt hat meist eine von drei Ursachen: Er wurde zu locker geklemmt, die Nockpunktzange hatte nicht genug Hebelwirkung, oder du verwendest minderwertiges Material. Messingringe von etablierten Herstellern wie Easton rutschen praktisch nie. Billige Noname-Produkte können nach wenigen Schüssen bereits wandern.
Kann ich den Nockpunkt ohne Spezialwerkzeug setzen?
Theoretisch ja, mit einer normalen Zange oder sogar per Hand. Praktisch führt das fast immer zu Problemen. Die Sehne wird ungleichmäßig belastet, der Ring sitzt nicht fest genug oder zu fest. Das Risiko, die Sehne zu beschädigen, ist hoch. Eine Nockpunktzange kostet weniger als eine neue Sehne und hält jahrzehntelang.
Wie fest muss der Nockpunkt sitzen?
Die goldene Mitte ist entscheidend. Der Ring sollte mit festem Fingerdruck verschiebbar sein, aber nicht von selbst wandern. Ein zu fest geklemmter Nockpunkt kann die Sehne beschädigen. Die einzelnen Fasern werden gequetscht, was die Lebensdauer der Sehne verkürzt. Ein zu lockerer Ring verrutscht und macht alle deine Bemühungen um Präzision zunichte.
Brauche ich verschiedene Nockpunkte für verschiedene Pfeile?
Das hängt von deinen Pfeilen ab. Nutzt du Pfeile mit identischen Nocken und gleichem Gewicht, reicht ein Nockpunkt. Wechselst du zwischen verschiedenen Pfeiltypen (etwa zwischen Aluminium- und Carbonpfeilen), benötigst du unterschiedliche Positionen. Fortgeschrittene Schützen, die für verschiedene Disziplinen trainieren, haben manchmal mehrere Sehnen mit jeweils optimierten Nockpunkten.
Expertentipps für fortgeschrittene Schützen
Wenn du die Grundlagen beherrschst, kannst du mit diesen fortgeschrittenen Techniken dein Setup weiter optimieren:
- Walk-back-Tuning: Schieße aus verschiedenen Entfernungen (10, 20, 30 Meter) auf denselben Zielpunkt. Wandert deine Trefferlage nicht nur tiefer, sondern auch seitlich, deutet das auf Nockpunkt-Probleme hin.
- Saisonale Anpassungen: Bei starken Temperaturwechseln können sich Sehnen minimal dehnen oder zusammenziehen. Im Winter kann eine Nachjustierung um 1 mm nötig sein.
- Materialwahl nach Bogentyp: Recurvebögen vertragen dickere Messingringe, Compoundbögen benötigen oft schmalere Varianten wegen der geringeren Sehnenbewegung.
- Button-Einstellung beachten: Bei sportlichen Recurvebögen mit Button beeinflusst auch dessen Einstellung den optimalen Nockpunkt. Beide Parameter müssen aufeinander abgestimmt werden.
- Dokumentation aller Settings: Notiere nicht nur die Nockpunkt-Position, sondern auch Standhöhe, Button-Tension und Pfeiltyp. Diese Daten sind Gold wert beim Tuning.
- Mehrere Nockpunkte für verschiedene Distanzen: Manche Wettkampfschützen markieren sich zusätzliche Positionen für extreme Distanzen. Für normale Schützen ist das aber übertrieben.
Fazit
Der Nockpunkt beim Bogenschießen ist deutlich mehr als eine simple Markierung auf der Sehne. Er bildet das Fundament für reproduzierbare, präzise Schüsse. Die korrekte Position, ob 11-13 mm über der 90°-Linie beim traditionellen Schießen oder 8-10 mm beim sportlichen Schießen, entscheidet über Erfolg oder Streuung auf der Scheibe.
Mit einem Sehnenmaßstab, einer Nockpunktzange und dieser Anleitung setzt du deinen Nockpunkt in wenigen Minuten präzise. Der zeitliche Aufwand lohnt sich mehrfach: Jeder Schuss wird konstanter, deine Trefferbilder enger, und du gewinnst Vertrauen in dein Setup. Kleine Änderungen an dieser unscheinbaren Stelle können große Wirkung entfalten.
Überprüfe den Nockpunkt regelmäßig, passe ihn bei Bedarf an und dokumentiere deine Einstellungen. Mit der richtigen Nockpunkt-Position verwandelst du technisches Wissen in praktische Präzision auf der Scheibe.







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